Langfilme

Einvernehmliche Kriterien, welche die Programmauswahl der Sektion Langfilm prägen, sind die politische, soziale und kulturelle Relevanz der Themen sowie die filmkünstlerische Bearbeitung der eingereichten Beiträge. Neben klassischen Darstellungsweisen sollen seit jeher durch die Präsentation innovativer Formate vermeintliche Grenzen des Genres sowie die Macht, Manipulierbarkeit und Manipulationskraft der Bilder zur Diskussion gestellt werden. Zudem erhalten Low- oder No-Budget-Produktionen und Nachwuchsarbeiten sowie neue Projekte alt bekannter Filmemacher*innen auf dem Kasseler Dokfest in den Sichtungen besondere Aufmerksamkeit. Denn dokumentarfilmische Schaffensprozesse kontinuierlich zu begleiteten, ist uns ebenso ein Anliegen, wie den Perspektiven mutiger und außergewöhnlicher Projekte eine Plattform zu bieten.

Verantwortlich für die Auswahl sind die Mitglieder der Sichtungskommission, die sich aus Personen mit unterschiedlichen professionellen Hintergründen zusammensetzt. Neben ihrem Interesse am politischen und kulturellen Weltgeschehen und der Neugier auf mutige und unkonventionelle (Lebens-) Geschichten vereint die Gruppe eine cineastische Obsession für den dokumentarischen Film in all seinen inhaltlichen und ästhetischen Gestaltungsformen sowie die Freude an leidenschaftlichen Diskussionen über die besten Dokumentarfilme für das Kasseler Filmfest.

Selbstverständlich kann aus der zunehmenden Fülle herausragender Arbeiten alljährlich nur ein Ausschnitt gegenwärtigen Dokumentarfilmschaffens gezeigt werden, der formal und inhaltlich ein möglichst breites Spektrum abdecken und während der Festivaltage ein ebenso breites Publikum erreichen soll.

Auswahlkommission 2026: Paula Berger, Senem Aytaç, Joachim Kurz, Sita Scherer, Dennis Vetter

Mitarbeit: Sarah Adam, Stefanie Gaus, Anja Klauck, Cosima Lange, Christine Rogi

Wenn Care als Haltung der Verantwortlichkeit und fürsorglichen Praxis zu verstehen ist, ist nicht nur die klassische Sorgearbeit darunter zu fassen, sondern ebenso die Sorge um unsere in doppelter Bedeutung erhitzten Welt, um demokratische Errungenschaften und die breit verankerte Wertschätzung der Vielfalt. Das diesjährige Programm vereint 35 Filme, die all diese Aspekte widerspiegeln und noch erweitern.

Wir werfen Blicke in Kriegsgebiete wie Ukraine/Russland und Palästina/Israel. Wir dürfen Menschen bei der Bewältigung von Krisen begleiten, wie sie Verantwortung übernehmen, die eigene Herkunft erforschen und die Komplexität des Lebens darin finden. Dabei ergänzt das Programm auch den deutschen Umgang mit beiden Konflikten. Äußerst spannende Fragen zu Waffen werfen die Filme aus dem Programm auf, die sich mit Bildanalyse beschäftigen. Wer hat Bilder hergestellt und mit welchem Zweck? Das betrifft auch die deutsche Geschichte – die Auswirkungen der schleppenden Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit und der europäischen Verflechtungen von Wirtschaftsbeziehungen und Kolonialismus sehen wir im Programm. Der Blick zurück, auch auf europäische Diktaturen, ist Warnung und kollektives Sorge tragen zugleich. Kollektiv ist auch die Solidarität in unserer patriarchal geprägten Welt, in der Frauen nicht nur den Großteil der Sorgearbeit leisten, sondern noch dazu nicht sicher sind. In wieder anderen Filmen kümmern sich Menschen um nahe Verwandte und bewahren sie so vor der Unsichtbarkeit. Im Programm wird die romantische Liebe in unserer digitalen Welt neu ausgelotet, während queere Freund*innenschaften ein starkes und wichtiges Band bilden. Kunst, Musik und Humor werden in unseren unterschiedlichen Porträts zu wichtigen Pfeilern der Resilienz und Theater zeigt, wie Inklusion selbstverständlich gelebt wird. Wie und was wir arbeiten, der Ausgleich davon und was Arbeit im Klimawandel bedeuten kann, das sehen wir in mehreren Filmen. Dem Ausblick auf eine dystopische Zukunft wird dabei das aktive Handeln einiger Menschen entgegengesetzt.

Was die Filme zeigen: Für Resilienz brauchen wir Beziehungen, wir müssen Hinsehen und Verantwortung übernehmen. Deshalb freuen wir uns umso mehr auf die gemeinsame Erfahrung beim Schauen und Diskutieren der Filme in den schönen Kasseler Kinos.