Screenings

Langfilme

In 2017 wurden die 54 Langfilm-Beiträge aus über 500 Einreichungen ausgewählt. Einvernehmliche Kriterien, welche die endgültige Programmauswahl prägen, sind die politische, soziale und kulturelle Relevanz der Themen sowie die filmkünstlerische Bearbeitung der eingereichten Beiträge. Neben klassischen Darstellungsweisen sollen seit jeher durch die Präsentation innovativer Formate vermeintliche Grenzen des Genres sowie die Macht, Manipulierbarkeit und Manipulationskraft der Bilder zur Diskussion gestellt werden. Zudem erhalten Low- oder No-Budget-Produktionen und Nachwuchsarbeiten sowie neue Projekte alt bekannter Filmemacher/innen auf dem Kasseler Dokfest in den Sichtungen besondere Aufmerksamkeit. Denn dokumentarfilmische Schaffensprozesse kontinuierlich zu begleiteten, ist uns ebenso ein Anliegen, wie den Perspektiven mutiger und außergewöhnlicher Projekte eine Plattform zu bieten.

Verantwortlich für die Auswahl sind die Mitglieder der Sichtungskommission, die sich aus fünf Personen mit unterschiedlichen professionellen Hintergründen zusammensetzt. Neben ihrem Interesse am politischen und kulturellen Weltgeschehen und der Neugier auf mutige und unkonventionelle (Lebens-) Geschichten vereint die Gruppe eine cineastische Obsession für den dokumentarischen Film in all seinen inhaltlichen und ästhetischen Gestaltungsformen sowie die Freude an leidenschaftlichen Diskussionen über die besten Dokumentarfilme für das Kasseler Filmfest.

Selbstverständlich kann aus der zunehmenden Fülle herausragender Arbeiten alljährlich nur ein Ausschnitt gegenwärtigen Dokumentarfilmschaffens gezeigt werden, der formal und inhaltlich ein möglichst breites Spektrum abdecken und während der Festivaltage ein ebenso breites Publikum erreichen soll.

Kurzfilme

Filmemachen ist ein ständiges Aushandeln von Sichtbarkeiten, durch das Neues produziert und alte Bilder ersetzt und überschrieben werden. Wie wir über die Welt sprechen und Bilder dazu erschaffen, ist stark von den Generationen, Epochen und gesellschaftlichen Umständen abhängig, das heißt, Geschichte wird in der Gegenwart geschrieben. Der Blick auf die Vergangenheit ist immer verhandelbar und bleibt etwas, das nicht fixiert werden kann und in einer Ambivalenz lebt. Die Aufgabe des filmischen Arbeitens, sich mit der Geschichte und Erinnerung auseinanderzusetzen, ist eine Herausforderung, aber machbar, das zeigen uns die Kurzfilme des diesjährigen Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes. Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass es sehr wohl ein falsches Deuten gibt, ein Polarisieren, das Hass schürt, sich von Angst nährt und Ängste erschafft. Die diesjährigen Kurzfilme setzten sich mit diesem Deuten auseinander und debattieren, wie wir eine Erzählung erschaffen können, die nicht polarisiert, nicht diskriminiert, Menschen nicht in Schubladen einteilt, physische und psychische Grenzen abbaut und sich außerhalb nationalstaatlicher Diskurse befindet.

Die sechs Mitglieder der Auswahlkommission hatten die Aufgabe, unter mehr als 2.000 eingereichten Kurzfilmen die Trends und Strömungen der aktuellen Filmproduktion zu erfassen. Herausgekommen ist 2017 ein Programm, in dem sich vom beobachtenden Dokumentarfilm über abstrakte Animationen, persönliche Essays, queer-politische Musikvideos und künstlerisch-aktivistische Feldversuche, von der Ortserkundung bis zum Familienportrait eine ungeheure Vielfalt der filmischen Auseinandersetzung mit der Realität zeigt.

Nordhessische Produktionen

Eines der erklärten Ziele des Kasseler Dokfestes ist die gleichberechtigte Präsentation von regionalen Arbeiten neben denen der internationalen Filmemacher/innen und Künstler/innen. Im Filmprogramm werden circa 50 lange und kurze nordhessische Spiel-, Animations- und Dokumentarfilme gezeigt, die im regionalen Wettbewerb um den Goldenen Herkules (dotiert mit 3.500 €) konkurrieren. Die Rückkoppelung an die Region – ca. 20 Prozent aller gezeigten Arbeiten stammen aus Nordhessen – hat einen hohen Stellenwert für das Kasseler Dokfest. Das Konzept der Gleichrangigkeit von regionalen und internationalen Arbeiten ist einzigartig und von großer Wichtigkeit als Impulsgeber und Kommunikationsort für die heimische Szene. In den letzten Jahren hat sich deutlich gezeigt, dass die regionalen Arbeiten konkurrenzfähig sind und das Festival für sie als Sprungbrett dienen kann, um national sowie international mehr Beachtung zu finden. 

Fulldome Filme

Aus Anlass der Vergabe des Ehrenpreises 2016 des Kasseler Dokfestes an Rotraut Pape, zeigte das Kasseler Dokfest zum ersten Mal Fulldome Filme im Planetarium.

Aufgrund des großen Interesses und im Sinne einer Erweiterung des Festivalprofils präsentierte das Kasseler Dokfest 2017 acht innovative Fulldome Filme, die Einblick in neue Möglichkeiten des Mediums Kuppelfilm geben.

Klaus Dufke (FH Potsdam), Rotraut Pape (HfG Offenbach) sowie Micky Remann (Bauhaus-Universität Weimar) haben das Programm mit freundlicher Unterstützung des FullDome Festivals Jena zusammengestellt. 

Rundum einzutauchen in eine Bild-Illusion ist ein uraltes Bestreben der Menschheit und der Kunst. Die Kuppel, der Dome, zieht sich als besonderer Ort durch unsere Kulturgeschichte, als Schutzraum und Kultstätte (Höhle), als Schnittstelle zu höheren Welten (Kirche), als Manifestation von Macht (Architektur) und Imagination (Holodeck) und Spiritualität (Firmament). Nachdem speziell Planetarien mit neuer digitaler Projektionstechnik ausgestattet wurden, entstand ein innovatives, audiovisuelles Medium, das dieser besonderen räumlichen Situation mit immersiv erlebbaren Filmen und Sounds Rechnung trägt: der 360° Fulldomefilm.

Die Zuschauer/innen sind ringsum von Bildern und Sound umgeben und müssen sich mit ihrem Sichtfeld selbst bewegen, um die Rundum-Geschichten zu verfolgen. Erlöst vom Standpunkt der distanzierten Beobachter/innen sitzt man nicht mehr vor der Bühne oder der Leinwand sondern mitten drin und rückt als teilnehmendes Publikum ins Zentrum der Welt.

A Wall Is A Screen

Die filmische Stadterkundung mit der Hamburger Künstlergruppe A Wall is a Screen bringt Leben in das abendliche Kassel und beleuchtet dessen unbekannte Ecken. Gemeinsam mit Publikum und mobiler Projektionstechnik wandert A Wall is a Screen durch die Innenstadt und zeigt Kurzfilme an ungewohnten Orten. Entgegen der üblichen Rezeption im Kino wird durch die ortsbezogenen Kontextualisierung Film neu erlebt und gedacht. Die Kombination von Bewegtbild und Architektur erweitert Perspektiven und definiert den öffentlichen Raum um.

A Wall is a Screen begeistert das Publikum jedes Mal aufs Neue, da jede Veranstaltung einzigartig und einmalig ist. Der Kurzfilmrundgang dauert ca. 1,5 Stunden, die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung findet auch bei Regen statt, für Ausweichorte wird gesorgt.