Spuren der Macht hinterlassen tiefe Kerben in Menschen sowie in ihren Beziehungen zu ihrer Umwelt. Forschend, poetisch und suchend gehen die fünf Kurzfilme der Frage nach, wie sich Gewalt, Ideologie und historische Traumata in kollektives Gedächtnis gravieren. Vom Vietnamkrieg über Lager für Internetsucht und die Militarisierung von Tieren bis zur Flucht aus Butscha und gefundenem Archivmaterial: Sie beleuchten das Spannungsfeld zwischen persönlichen Erlebnissen und staatlicher Kontrolle. Wie wird Erinnerung weitergegeben, wenn das Unsagbare nach Ausdruck ringt und scheinbar unauslöschlich bleibt? (Joey Arand)
Ausgehend von den Erinnerungen ihres Großvaters Yang Chenjie, der von 1964 bis 1967 im chinesischen Militär diente und an Einsätzen im Kontext des Vietnamkriegs beteiligt war, untersucht die Regisseurin Qianmei Ni in ihrem dokumentarisch-animierten Kurzfilm, wie Kriegserfahrungen innerhalb einer Familie erzählt, erinnert und weitergegeben werden.
Zwischen häuslichem Alltag, dokumentarischer Beobachtung und animierter Vorstellung fragt der Film nach Heldentum, militärischer Zugehörigkeit und den Spuren politischer Narrative in persönlichen Erinnerungen.… >>>
CN: Gewalt Der Film beginnt mit den traumatischen Erinnerungen eines Überlebenden aus einem Lager für Internetabhängige und verwebt Fragmente digitaler Räume mit mündlichen Zeug*innenaussagen. Durch diese Montage legt er die institutionellen Spuren frei, die weiterhin im Schatten wirken. Was zum Vorschein kommt, ist nicht bloß das Echo einer persönlichen Erfahrung, sondern die dicht gewobenen Mechanismen, durch die sich die Gesellschaft – unter dem Deckmantel der Kontrolle – in Körper und Willen einschreibt.
CN: Gewalt Die Videoarbeit und die dazugehörigen Malereien verknüpfen autobiografische Erinnerungen an Hunde als emotionale Bezugspunkte mit historischen Recherchen zu ihrer Instrumentalisierung im Zweiten Weltkrieg. Im Spannungsfeld zwischen Intimität und Gewalt untersucht sie Tiere als ambivalente Akteure: einerseits Gefährten, Projektionsflächen und soziale Bindungsfiguren, andererseits Mittel militärischer Kontrolle und psychischer Folter. Die Arbeit reflektiert damit die politische Vereinnahmung von Nähe, Loyalität und Körperlichkeit.
TRACING REELS untersucht, wie gefundenes Filmmaterial in einen Dialog mit zeitgenössischen Bildern treten kann – und wie sie sich auf eine Vergangenheit beziehen lassen, von der zunächst nur bilderhafte Fragmente ohne Kontext oder Erklärung existieren.… >>>
+DokfestOnline
Dauer: 17 Min.
Premiere: Weltpremiere
Nominierung: Goldener Herkules
Regie: Emeline Cau, Lucy Hartstang, Charlotte Ella Bouchon
CN: Gewalt Der Film ist eine persönliche Reflexion der Regisseurin über ihre Erfahrungen als ukrainische Geflüchtete, die nach der Besetzung von Butscha nach Deutschland kam. In einem fortlaufenden, ungeschnittenen Text werden Gedanken, Erinnerungen und innere Dialoge sichtbar. Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander, während sich das Chaos im Kopf mit dem Chaos der Welt verbindet. Der Film nimmt sich Zeit und lädt dazu ein, den Worten zu folgen, zwischen ihnen zu verweilen und einen Raum für das Unsagbare zu öffnen.