Rhythms of Belonging: Zwei Filme ausgewählt von Naomi Beckwith


(Gloria)

Für das diesjährige Dokfest hat Naomi Beckwith, Künstlerische Leiterin der documenta 16, zwei Filme ausgewählt, die die Verbundenheit von verkörperten Praktiken, Schwarzer Identität und Gemeinschaft hervorheben: 

DANCE LIKE A RIVER: ODADAA! DRUMMING AND DANCING IN THE U.S. von Barry Dornfeld und Tom Rankin sowie Shirley Clarkes ORNETTE: MADE IN AMERICA.

Gemeinsam zeigen diese Filme Beckwiths Überzeugung von der radikalen Kraft kulturellen Erinnerns, der Improvisation und der kreativen Gemeinschaft. Im Rückblick auf ihre eigenen Wurzeln erzählt Beckwith:

„Ich bin in einer Ära aufgewachsen, die Ende der 1970er Jahre begann, in der die Künste so wichtig für das eigene Gemeinschafts- und Identitätsgefühl waren. Ich bin auf Kunstmessen gegangen, habe Tanzunterricht genommen, unzählige Theateraufführungen besucht. Und es war einfach selbstverständlich, dass man Musik hörte, tanzte und Zeit mit bildenden Künstler*innen verbrachte – Menschen waren einfach da, in einem Moment einer wirklichen kreativen Explosion. Es ging nicht nur darum, Kunst und Kreativität zu lieben, sondern auch darum, sich selbst zu lieben – als Schwarze Person in einer Schwarzen Gemeinschaft.“

DANCE LIKE A RIVER begleitet den ghanaischen Meistertrommler Yacub Addy und sein Ensemble Odadaa!, während sie sich den Herausforderungen stellen, traditionelles Trommeln und Tanzen für ein Publikum in den Vereinigten Staaten zu übersetzen – insbesondere in der Art und Weise, wie die Gruppe ihre Arbeit ebenso als philosophisches wie als performatives Projekt begreift.

In ORNETTE: MADE IN AMERICA zeichnet Shirley Clarke das weitläufige musikalische Universum des Free-Jazz-Pioniers Ornette Coleman nach. Durch eine Mischung aus dokumentarischem Filmmaterial, stilisierten Nachstellungen und frühen, musikvideoartigen Sequenzen fängt dieser genreübergreifende Film die Entwicklung von Colemans radikalem Klang ein – und seine Resonanz mit der interdisziplinären Experimentierfreude, die die US-amerikanische Kultur der 1960er- und 1970er-Jahre prägte.


Dance Like A River: Odadaa! Drumming and Dancing in the U.S.

DANCE LIKE A RIVER zeichnet ein intimes Porträt von Odadaa! – einem lebendigen Trommel- und Tanzensemble aus Ghana, Westafrika – in seinen frühen Jahren in Washington D.C. Gegründet Anfang der 1980er-Jahre von Meistertrommler, Kulturvermittler und NEA Heritage Award-Preisträger Yacub Addy, vereinte Odadaa! eine hochkarätige Gruppe von Musiker*innen und Tänzer*innen, um die traditionelle Musik und den Tanz der Ga zu präsentieren. Zugleich durchbricht Addy behutsam die gängigen Zuschreibungen, die „Tradition“ mit „Primitivismus“ verknüpfen.

Im Laufe der Jahre wuchs Odadaa! in Größe, Einfluss und Professionalität, blieb dabei jedoch stets seinen Wurzeln treu. Durch Ausschnitte aus verschiedenen traditionellen Tänzen – darunter Bamaya, Adiko und Gome – wird dem Publikum deutlich, wie Addys künstlerische und philosophische Vision Odadaa! zu einer kraftvollen Hommage an das westafrikanische Erbe formte, die bis heute weltweit nachhallt.

(Bild: Tom Rankin)


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  • Dauer: 45 Min.
  • Premiere: Deutschlandpremiere
    • Regie: Barry Dornfeld, Tom Rankin

    Ornette: Made in America

    ORNETTE: MADE IN AMERICA ist ein bahnbrechendes Porträt des Jazz-Pioniers Ornette Coleman, inszeniert von der Avantgarde-Regisseurin Shirley Clarke. Der Film verwischt die Grenzen zwischen Dokumentation, Biopic und experimentellem Kino und zeichnet Colemans Weg nach – von seiner Kindheit im segregierten Texas bis zu seinem Aufstieg als revolutionäre Kraft in der Jazzgeschichte.

    Die Bildsprache entfaltet sich in nicht-linearer Form und umfasst auch Archivaufnahmen, darunter seltene Mitschnitte aus dem Jahr 1968, in denen Coleman gemeinsam mit seinem damals elfjährigen Sohn, dem Schlagzeuger Denardo Coleman, improvisiert – ursprünglich gedreht für ein unvollendetes Projekt.

    Clarkes Werk ist nicht nur eine Hommage an eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des Jazz, sondern zugleich ein radikales Experiment filmischer Form, das Kreativität, Widerstand und die Kraft der Improvisation feiert.


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    • Dauer: 77 Min.
    • Regie: Shirley Clarke