junges dokfest 6: Ins Bild gesetzt


(BALi, KulturBahnhof Kassel)

Das Kino kennt unterschiedliche Sichtbarkeiten. Es kann einfangen und abbilden, Dinge und Menschen. Als Beziehung zwischen Bildern kann es aber auch Verhältnisse auf die Leinwand bringen – und es kann neue Bilder schaffen, um erfahrbar zu machen, was sich nicht ohne weiteres sehen läßt. Ein verstörendes Bild, das auf sozialen Medien kursiert, eine Bergbaumine in Marokko, die es offiziell nicht mehr gibt, Fremdheitserfahrung und Ausgrenzung in einem Schweizer Dorf, die vermeintliche Unsichtbarkeit alternder Frauen. Vier Versuche auf das zu blicken, was hinter den Bildern liegt. (Sebastian Markt)

Man Number 4

CN: Gewalt
Filmemacherin Miranda Pennell stößt auf ein verstörendes Bild aus Gaza, aufgenommen im Dezember 2023, das auf sozialen Medien zirkuliert. Im Film begegnen wir dem Bild zunächst ganz unmittelbar und materiell: aufgezoomt auf einzelne Pixel. „Es ist schwierig zu verstehen, was man hier sieht“, sagt der Kommentar. Wie können wir solchen Bildern begegnen? Was folgern wir aus ihnen? Pennells Essay-Kurzfilm untersucht das Bild, aber auch unser Verhältnis dazu, und fragt nach der Rolle von Zeug*innenschaft und Verantwortungen, die mit dem Sehen einhergehen.

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  • Dauer: 10 Min.
  • Regie: Miranda Pennell

l'Mina

Seit 2001 sind die Minen in der marokkanischen Stadt Jerada offiziell stillgelegt. In einer informellen Ökonomie geht der Bergbau aber seither weiter. Randa Maroufi findet zusammen mit Arbeiter*innen einen kollaborativen Ansatz, der es erlaubt, die Arbeit in der Mine, die Erinnerungen an Kämpfe und den Eigensinn der lokalen Bevölkerung zu rekonstruieren und in beeindruckende Bilder zu verdichten. Ohne ihre Sicherheit zu gefährden und dabei gleichzeitig einen politischen Kern kollektiver Aktivitäten sichtbar zu machen.

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  • Dauer: 26 Min.
  • Regie: Randa Maroufi

Unser Name ist Ausländer

Stück für Stück wird ein familiäres Wohnzimmer aus der Privatheit in die Öffentlichkeit getragen: Teppich und Möbel, Menschen nehmen Platz, es gibt heißen Çay. Selin und ihre Geschwister Hêlîn, Firat und Serhat sind in einem kleinen Schweizer Dorf aufgewachsen. Sie teilen Erinnerungen, erzählen von Fremdheitserfahrungen und Ausgrenzung, von Wut und Eigensinn, vom Zusammenstehen und dem Beharren auf einer eigenen Geschichte. Ein Akt der filmischen Sichtbarmachung der Selbstbehauptung.

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  • Dauer: 21 Min.
  • Nominierung: A38-Produktions-Stipendium
    • Regie: Selin Besili

    Texas Switch

    „Texas Switch“ ist ein Ausdruck für filmische Tricks, bei dem ein Stuntdouble eine*n Schauspieler*in ersetzt, ohne dass es einfach zu bemerken ist. In Darren Dominique Herouxs Film sprechen Frauen in einem weiteren Sinn über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit: vergeschlechtliche Blicke, Wahrnehmungen des Alters, gesellschaftliche Unsichtbarkeit. Heroux nutzt die Möglichkeiten des Kinos Menschen und Dinge quasi magisch verschwinden oder auftauchen zu lassen für ein filmisches Nachdenken über die weitere gesellschaftliche Bedeutung von Sehen und Gesehen-Werden, darüber, was in einem Leben verschwindet, und was bleibt.

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    • Dauer: 9 Min.
    • Regie: Darren Dominique Heroux