
Ein Foto einer lächelnden Frau mit blauem Schirm auf einer Teeplantage wirkt auf den Erzähler wie die perfekte Aufnahme. Doch sein Taxifahrer widerspricht und fragt, ob er überhaupt etwas über sie weiß. Ausgehend von diesem einzelnen Bild deckt der Film die globale Geschichte des Tees auf. Er verfolgt eine weite Reise von der kolonialen Ausbeutung durch Konzerne in Darjeeling bis hin zu einem kleinen Teeladen im Südlibanon, wo die Großmutter des Regisseurs den Tee stets als Zuflucht vor dem Krieg nutzte. KANCHENJUNGA wurde über zwölf Jahre hinweg in zehn Ländern gedreht und ist ein hybrides Debüt, das persönliche Erinnerung meisterhaft mit geopolitischen Hintergründen und der Politik des Bildes verflicht. Es ist ein selbstreflexiver, bisweilen humorvoller Essay, in dem der Prozess des Filmemachens selbst zusammenbricht. Der Film wird ständig durch einen lebhaften Dialog zwischen dem Regisseur und einem gänzlich verwirrten Erzähler unterbrochen, der mit der Entwicklung der Geschichte unzufrieden ist. Benannt nach dem Berg zwischen Nepal und Indien, wandert der Film, anstatt den dritthöchsten Gipfel der Welt zu zeigen, durch die Geschichten ganz gewöhnlicher Menschen. (Senem Aytaç)