
Es gehört womöglich zu den Widersprüchlichkeiten, die man immer wieder beobachten kann, dass manche Phänomene im Augenblick ihres Verschwindens erst ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erhalten. So oder so ähnlich ergeht es der Welt der Vögel: Während einerseits die Diversität und Quantität der gefiederten Fauna spür- und nachweisbar nachlässt, nimmt die Anzahl der „Birdwatcher“ – also jener Menschen, die sich der Vogelbeobachtung verschrieben haben – stetig zu. In ihrem Film WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS widmen sich Ulrike Franke und Michael Loeken dieser ganz besonderen Spezies Mensch, zu denen unter anderem auch der berühmte Autor Jonathan Franzen zählt, der als einer der Protagonisten auftaucht. Frankes und Loekens Film ist manchmal heiter, dann wieder nachdenklich, verweilt ganz in der Gegenwart, um dann im nächsten Moment historische Anekdoten über das komplexe Verhältnis von Vogel und Mensch einzustreuen. Bei aller Sympathie und Detailversessenheit übersieht der Film aber auch nicht, dass die Balance aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und so schwingt in manchen Gesprächen auch eine Sehnsucht nach den Zeiten wieder, als heute selten gewordene Vogelarten noch ganz selbstverständlich entdeckt werden konnten. (Joachim Kurz)