
CN: Sexualisierte Gewalt
Wärst du ein Fluss, welche Art von Fluss wäre es? Die Regisseurin befragt Frauen – zunächst Künstlerinnen und Aktivistinnen – nahe des Flusses Aksay, der zum Sinnbild wird für den Lauf der Dinge in Kasachstan und dann ganz konkret für die Kräfte und Machtverhältnisse, die dort in der Gesellschaft heutzutage wirken. Der Platz von Frauen ist dort mehr als andernorts Gegenstand von Kämpfen, bei einer Demonstration schreit eine Frauengruppe gegen das fehlende Wahlrecht im Land an. Nach einer progressiven Stromschnelle wandert der Film weiter entlang des Flusses. Kristina Mikhailova zeigt vielerorts die Gegenteile von Utopien bis hin zu Misogynie, wandert von Freiräumen und Träumen zu Alltäglichem, sieht dem System zu, wie es vor sich hinfließt, und dem Fließband, das ganz in der Hand von Männern liegt. Die Regisseurin erzählt auch selbst, verleiht dem Film ihre Stimme, verortet den Fluss nahe ihres Heimatdorfs Abay und befragt ihre Gesprächspartner*innen, was sie mit dem Land ihrer Kindheit verbindet. Bald ist alles in Bewegung: Heimatbegriffe, Nationalität, Vergangenheit, Zukunft, letztlich die Bilder selbst. Ein tiefsinniger Debütfilm, der ein neues kasachisches Kino fordert. (Dennis Vetter)