Wer entspricht der Norm und was geschieht mit uns, wenn wir ihr nicht entsprechen? Ist „normal sein“ eine unerreichbare Fantasie und das Streben danach eine heimtückische Falle, in die wir tappen? Sechs Kurzfilme beschäftigen sich auf ganz unterschiedliche Weise – intim, poetisch, reflektiert, farbenfroh, augenzwinkernd oder ernst – mit dieser Frage. Sie denken nach, über mentale, körperliche, geschlechtliche, soziale Normen, über dadurch ausgelöste Erwartungshaltungen und Emotionen, den Platz des Individuums in der Gesellschaft, Identität, Zugehörigkeit und den Wert des Andersseins. (Anna Bell)
In einer dreiminütigen Sprachnachricht berichtet eine non-binäre Person vom Heilungsprozess nach einer Mastektomie. Das gezeichnete, farbenfrohe Zimmer, in dem sich die Person befindet, wird dabei zu einem verspielten Schauplatz, der Erinnerungen, Vorbilder und Freund*innen in kleinen, liebenswerten Details präsent macht.… >>>
CN: Depression Ein Essayfilm über die persönliche Beziehung zu Scham und ihre Auswirkungen in unserem Leben. Erinnerungen der Filmemacher*in, die geprägt sind von Schamgefühlen, verweben sich mit dem Versuch diesen Gefühlen einen neuen Platz zu geben. In dokumentarischen Bildern und inneren Dialogen bewegt sich der Film zwischen Wut, Psychiatrieberichten und intimen Momenten. Dabei entsteht die Frage, wie man in einer patriarchal geprägten, kapitalistischen Gesellschaft der eigenen Scham begegnen kann.
In einer Split-Screen-Komposition entfalten zwei visuelle Erzählungen in Beziehung zueinander – sie überschneiden sich, entfernen sich voneinander oder treten miteinander in einen Dialog. Die Arbeit untersucht körperliche Selbstfürsorge, Schmerz sowie die Aushandlung zwischen Intimität und öffentlichem Raum und reflektiert den Zustand des öffentlichen Alleinseins.… >>>
Eine innere Reise durch Entwurzelung und die fragile Suche nach Identität. Die Protagonistin driftet durch Landschaften, die zwischen Erinnerung, Traum und Realität wechseln. Orte lösen sich in Metaphern auf, Objekte verwandeln sich in Emotionen. Fragmente des Selbst tauchen auf und verschwinden wie Strömungen unter der Oberfläche. Der Animationsfilm erforscht, was es bedeutet, zwischen Kulturen, Sprachen und verschiedenen Versionen des eigenen Selbst zu existieren. Seine abstrakte visuelle Sprache und immersive Klanglandschaft reflektieren den stillen Zustand des Schwebens als Lebensentwurf.… >>>
Office-Porno ASMR: In den Tiefen einer Bürolandschaft wird Effizienz und Leistungsmoral zum Objekt des Begehrens. Durch ein pastellfarbenes Schreibtisch-Stillleben mit erotisch, meditativem Voice-Over regt dieser Animationsfilm zum Nachdenken über die Fetischisierung von Arbeit und ihren Stellenwert in der Gesellschaft an.
Der Film begleitet den autistischen Gärtner Joachim durch seinen Arbeitsalltag und sein Privatleben. In beobachtenden Szenen und Interviews zeichnet der Film seinen Weg aus ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnissen hin zu einer Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt nach. Dabei entsteht das Porträt eines Menschen, dessen Alltag von Arbeit, Fürsorge und dem Wunsch nach Selbstbestimmung geprägt ist. Der Film gibt einen intimen Einblick in Joachims Lebensrealität und macht sichtbar, wie eng persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Strukturen verwoben sind.… >>>