
„A portrait, not a documentary“. Beim Versuch, einen Film über Douglas Gordon zu drehen, kommen alle Fragen auf den Tisch: Regisseur Finlay Pretsell und Protagonist Gordon kommen sich gegenseitig in die Quere, ringen spielerisch, feinsinnig und mit diebischer Freude um Deutungshoheiten, verbiegen, zerbeulen und sprengen dabei den engen Käfig klassischer Biopics. Gordon, einer der angesehensten Künstler der Gegenwart, interviewt sich selbst, wechselt Kleidung und Rollen, bricht Drehs ab, kommandiert seinen Regisseur munter herum, kommentiert augenzwinkernd sein öffentliches Image und ringt mit der Kamera um den Umgang mit Anwesenheit, Sichtbarkeit und Erinnerung. Ein Film ohne Punkt und Komma, montiert als Reihung von Improvisationen für die Kamera, gedreht in Gordons Studio, einem gleichermaßen öffentlichen wie privaten Ort. Dazwischen webt der Regisseur Bilder aus dem Archiv, zunächst deutlich, dann unmerklicher und assoziativer. Pretsells Kamera kommt Gordon nah, die Männer schätzen sich, es besteht Vertrauen und gemeinsame Fragen kommen ans Licht – bis nur die wichtigste bleibt: Sind Künstler*innen gute Menschen? Cinéma vérité in Reinform. (Dennis Vetter)