
SOMETHING FAMILIAR verbindet dokumentarische Aufarbeitung mit hybriden Mitteln, um zu untersuchen, ob man die eigene geerbte Familiengeschichte umschreiben und überwinden kann. Die Regisseurin Rachel Taparjan wurde als Kind von Rumänien nach England adoptiert. Als sich Mihaela bei ihr meldet – eine Frau aus demselben Waisenhaus, die um Unterstützung bei der Suche nach ihrer leiblichen Mutter bittet – wird Rachel immer tiefer in ihre eigene verlorengeglaubte Vergangenheit hineingezogen. Während der Reise in ihre Heimat stößt sie auf unbekannte Geschwister und deckt eine schmerzhafte Familiengeschichte auf, die von Ausbeutung, Missbrauch und Abhängigkeit geprägt ist. Um vielleicht Klarheit oder Katharsis zu finden, weben sich in den Aufenthalt in der Fremde Szenen ein, in denen „gecastete Mütter“ auf dem leeren Stuhl Rachel gegenüber Platz nehmen und Raum geben für eine mögliche Mutter-Tochter-Beziehung. Die Regisseurin und zugleich Protagonistin des Films fasziniert mit ihrer schonungslosen und empathischen Erforschung der generationsübergreifenden, fast mysteriösen Weitergabe von Traumata. Die Spurensuche fühlt sich an wie ein ganzes Leben; die biografischen Wendungen fesseln zutiefst. (Cosima Lange)