Meanwhile in Namibia

| Meanwhile in Namibia
(Gloria)

Die ländliche Bevölkerung Namibias schlüpft in die Rolle ihrer Vorfahr*innen: Für deutsche Tourist*innen performen sie die Vorstellung einer vorkolonialen Idylle ohne europäische Einflüsse. Sie zeigen ein genügsames Leben im Einklang mit der Natur in kurzen Fellröcken. Das Konzept, entworfen von deutschen Entwicklungshelfer*innen der GIZ, lässt Schlimmes erahnen, was den Stand der Aufarbeitung kolonialer Gewalt in Deutschland anbelangt. Die deutsche Regierung weigert sich, Reparationen für die Besetzung Namibias im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie für den Völkermord an der indigenen Bevölkerung zu zahlen. Stattdessen fördert Deutschland Entwicklungshilfeprojekte wie die „Lebenden Museen“. Rassistische Stereotype werden hier unter einem Deckmantel der Solidarität und wirtschaftlichen Hilfe reinszeniert und erinnern in erschreckendem Maße an die kolonialen „Völkerschauen“. Jonas Spriestersbach folgt mit beobachtender Kamera diesen Spuren deutscher Kolonialgeschichte, die heute weitestgehend verwischt sind. Fröhliche Urlauber*innen, Kreuzfahrtpassagier*innen, Kolonialmuseum. Diese Urlauber*innen sehen die menschlichen Knochen, die zwischen den Steinen zu finden sind, nicht. (Sita Scherer)

  • +DokfestOnline
  • Dauer: 113 Min.
  • Länder: Deutschland, Namibia
  • Sprache: Englisch, Deutsch, Otjiherero, Oshivambo, Afrikaans, Khoekhoegowab
  • Untertitel: Englisch
  • Produktionsjahr: 2026

  • Regie: Jonas Spriestersbach
  • Kamera: Jonas Spriestersbach
  • Schnitt: Jonas Spriestersbach
  • Ton: Joel Toromba, Hilma Nangaku, Zita Erffa, Katharina Grote
  • Produzent*innen: Jonas Spriestersbach
  • Nominierung: A38-Produktions-Stipendium