Mes fantômes arméniens (My Armenian Phantoms)

| Mes fantômes arméniens
(Gloria)

Ein Granatapfelbaum verliert alle seine Früchte, sie fallen zu Boden, rollen ins Wasser, treiben davon. Für Tamara Stepanyan ein Symbolbild der Auflösung der Sowjetunion und gleichermaßen des frühen Verlusts ihrer armenischen Heimat. Ihre Familie beschließt nach Beirut zu ziehen, als sie zwölf ist. Aus ihrer Kindheit erinnert sie sich an die wiederkehrenden Filmabende – an unzählige Bilder, die sie erst als Erwachsene lernt einzuordnen. Das Kino ihres Heimatlandes war geprägt von Zensur durch die Sowjetunion, der Völkermord an Armenier*innen von 1915 durfte nicht thematisiert werden und zog sich ab dem ersten armenischen Stummfilm als Metapher wie ein Phantom durch die Erzählungen und Bilder. Aus ihren Gedanken, Analysen und Erinnerungen zum armenischen Filmschaffen webt Stepanyan in ihrem Film wiederum eine eigene Erzählung, die bedacht und feinfühlig als Voice-over gesprochen wird. Getragen von ihrer Stimme und einem virtuosen Soundtrack laufen sie ab, die wichtigen filmhistorischen Bilder, die großen Dialogszenen, die nachhallenden Symbole des armenischen Films, zeitlos und durch die Regisseurin doch präzise verortet, elegant in persönliche und kollektive Zusammenhänge gesetzt. (Dennis Vetter)

  • Dauer: 74 Min.
  • Länder: Frankreich, Armenien, Katar
  • Sprache: Armenisch, Russisch
  • Untertitel: Englisch
  • Produktionsjahr: 2025