junges dokfest 5: Mit dem Rücken zur Welt


(BALi, KulturBahnhof Kassel)

Was kann es heißen – heutzutage – ein erfolgreiches Leben zu leben? Wessen Maßstäbe zählen? An welche Grenzen sind wir bereit zu gehen? Welchen Regeln wollen wir uns fügen, welchen Dingen müssen wir uns widersetzen? Vier Filme nähern sich der Frage gegenwärtiger Subjektivität und Individualität, finden unterschiedliche Formen, ihren Protagonist*innen im Porträt gerecht zu werden und zugleich jene Kräfte sichtbar zu machen, die unsere Vorstellungen darüber regieren, was es bedeutet man selbst zu sein. (Sebastian Markt)

JAH! (JA!)

Ein Schwall von erfolgsverheißenden Affirmationen prasselt aus dem Off und steigert sich zu grotesken Banalitäten. Ein Mann im Anzug fügt seinen Körper in die Ecken und an den Treppen, Gängen, Bänken eines modernistischen Gebäudes ein, und vollführt dabei groteske Verrenkungen. Gedreht im Fährterminal von Tallinn und basierend auf einem Text des Poetry Slammers Joonas Veelmaa erschafft JAH! einen klugen und lustigen Zerrspiegel einer Gesellschaft, in der Selbstoptimierung scheinbar alles ist. „Sag ja zum Glück, sag nein zur Traurigkeit. Denk nicht, sag’s einfach!“

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  • Dauer: 3 Min.
  • Regie: Madli Lääne

+10k

Pol will reich werden, am liebsten mit Krypto-Trading, 10.000,-€ pro Monat. In seinem kleinen Zimmer in der Wohnung seiner Oma hat er Fotos von schnellen Autos und Häusern mit Pool an einer Motivationswand aufgehängt, er besucht Motivationsworkshops und hört Investmentpodcasts. Gala Hernández López’ bildfreudiges Porträt nähert sich dialogisch und empathisch einem jungen Mann und seinen Träumen – und lenkt den Blick zugleich auf die Kräfte und Bildströme, die individuelle Sehnsüchte gesellschaftlich formen.

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  • Dauer: 32 Min.
  • Premiere: Deutschlandpremiere
  • Nominierung: A38-Produktions-Stipendium
    • Regie: Gala Hernández López

    Die Uniformierten

    Der 18-jährige Antonis Antoniadis hat sich zur Bundeswehr verpflichtet, für 17 Jahre. Er dient als Sanitäter und möchte Pharmazie studieren. Seinem Zimmergenossen fällt das Einfinden in das soldatische Leben schwer. In ruhiger und manchmal humorvoller Distanz porträtiert DIE UNIFORMIERTEN einen Soldaten und macht die Spannungen spürbar, die zwischen dem Versuch eines jungen Menschen, er selbst zu werden, und den Strukturen, Disziplinen und Hierarchien einer Institution entstehen, die individuelle Körper zu einem formen will.

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    • Dauer: 17 Min.
  • Premiere: Deutschlandpremiere
  • Nominierung: Goldener Schlüssel
    • Regie: Timon Ott

    La desesperació de la pell (Skin Despair)

    CN: Sexualisierte Gewalt
    Als 13-Jährige hat die Regisseurin eine digitale Kamera bekommen, nur ein einziger Schnipsel Material existiert noch. Jetzt betrachtet sie Handy-Aufnahmen einer heute 13-Jährigen und rekonstruiert im Zwischenraum zwischen den vorhandenen Bildern und denen, die fehlen, ihr Erleben des Übergangs zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Den Moment, in dem sie beginnen musste, sich mit den Blicken anderer auseinanderzusetzen, mit Blicken, die aus einer Gesellschaft mächtiger und gewaltvoller Geschlechterdifferenzen kommen.

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    • Dauer: 20 Min.
  • Premiere: Deutschlandpremiere
  • Nominierung: Goldener Schlüssel
    • Regie: Mireia Vilapuig