Afterlives


(Filmladen)

Afterlives

CN: Gewalt 
2014 veröffentlichte der IS mit „Flames of War“ einen Propagandafilm im Stile eines Hollywood-Actionfeuerwerks. 2020 zerlegte Kevin B. Lee diesen mit Lého Galibert-Laîné in der Desktop-Arbeit „Bottled Songs“, um die Rhythmen des Terrors zu sezieren. Offenbar ließen ihn die Bilder nicht mehr los. In seinem ersten abendfüllenden Essayfilm, der untersucht, wie Bilder extremistischer Gewalt weltweit zirkulieren, trifft Lee Kunstschaffende und Forschende, die mit solchem Material arbeiten. Bei einer Ausstellung in Deutschland stößt er auf einen 3D-gedruckten Medusenkopf, Morehshin Allahyaris Rekonstruktion einer vom IS zerstörten Skulptur, und ergründet dessen Blick. Kann ein Bild uns vor Terror erstarren lassen? Was passiert, wenn sich unsere Blicke kreuzen? Können wir das Trauma des Gesehenen jemals verarbeiten, löschen oder auf Distanz halten? Allahyari, die von digitaler Dekolonisierung spricht, liefert auch den zentralen Begriff des Films: „Violent Care“. Dieses Konzept beschreibt die Gefahr, dass jeder Akt der Restaurierung eine eigene Zwangslogik in sich tragen kann, eine Fürsorge, die in eine neue Form von Gewalt umschlägt. Lee fragt, ob der Akt des Sehens diesem Kreislauf jemals entkommen kann. (Senem Aytaç)

… >>>

  • +DokfestOnline
  • Dauer: 88 Min.
  • Regie: Kevin B. Lee