Aysun Bademsoys beobachtende Dokumentarfilme
eröffnen ganz besondere Perspektiven. Durch ihr Gespür für Menschen und
Situationen erzeugt sie eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren
Protagonist*innen. Die Menschen erzählen aus ihrem Leben und geben offen
Einblicke in ihre Gefühlswelten.
Die in ihrer Langzeitbeobachtung (1995 – 2024) versammelten Dokumente
und Zeugnisse von türkischstämmigen Frauen in Berlin sind bisher kaum beachtet
worden. Zum 30-jährigen Jubiläum von „Mädchen am Ball“ liegen nun alle vier Filme in digitalisierter Form vor und bieten
uns die Gelegenheit, genauer hinzuschauen.
„Mädchen
am Ball“ ist der erste Film einer vierteiligen Reihe.
Als Vorfilm läuft der
Kasseler Kurzfilm „Komma kicken! Krasse Fußballtricks und coole
Sportreporterinnen auf dem Mädchenspektakel 2023“
1995, Berlin-Kreuzberg:
Der BSC Agrispor ist die einzige türkische Frauenfußballmannschaft in Europa.
Während der letzten Spiele der Saison steigt die Spannung, ob der Aufstieg
gelingen kann, wer in der nächsten Saison wo spielt und wie es überhaupt weitergeht.
Safiye, Nalan, Nazan, Türkan und Arzu müssen sich damit auseinandersetzen, wie
eine sportliche, berufliche und private Zukunft für sie aussehen kann. Wir
lernen die jungen Frauen beim Training und bei Spielen, zu Hause und an ihren
Lehr- und Arbeitsstellen kennen. Sie erzählen offen von der Schule, den
Beziehungen zu Eltern und Geschwistern, wo sie Freund*innen treffen, was sie
anziehen und welche Musik sie hören. Es scheint als gelingt ihnen der
Balanceakt zwischen Tradition und Selbstbestimmung, zwischen der oft eher
konservativen Familie und dem Teenagerleben. Doch in den Zwischentönen wird
deutlich, wie sehr sie die Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und Teilhabe
beschäftigen. Wir hören und sehen, wie sie von Diskriminierung betroffen sind
und welche Vorurteile ihnen entgegenschlagen. Mit ihrer ganz besonderen
Beobachtungsgabe gibt uns Aysun Bademsoy Einblick in die türkisch-deutschen
Migrationserfahrungen einer jungen Generation, zwischen BRAVO-Horoskopen und
Alltagsrassismus, zwischen Träumen und Ernüchterung.
(Sarah Adam)
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