DokfestGeneration / junges dokfest – Programm 7:
Zuhurs Töchter


(Gloria Kino)

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Zuhurs Töchter

Der Film von Laurentia Genske und Robin Humboldt ist wie ihr erster preisgekrönter Film „Am Kölnberg“ als Langzeitbeobachtung gedreht. Über einen Zeitraum von drei Jahren begleiten sie zwei aus Syrien geflüchtete jugendliche Schwestern auf ihrer Reise zu sich selbst. Zuhur hat ihre Töchter Samar und Lohan mit äußerlich männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gebracht, doch früh stellen beide ihre weibliche Identität fest. Der Wunsch, ihre Geschlechtsidentität zu leben, ist stärker als der Einfluss ihrer Eltern, die die Transsexualität der beiden Ältesten nur schwer annehmen können. In ihrer früheren Heimat Syrien waren sie Ausgestoßene. Der eigene Vater hätte die „Sündigen“ töten müssen, weshalb alle zusammen geflohen sind. In der neuen Heimat bewegen sich Samar und Lohan nun ebenfalls zwischen verschiedenen Welten. Ihrer großen Familie mit jüngeren Geschwistern und Zweitfrau des Vaters in einer Stuttgarter Geflüchtetenunterkunft, der queeren Welt einer transsexuellen arabischen Community und der angeblich „normalen“ Welt in Schule oder U-Bahn, wo sie Diskriminierung ausgesetzt sind. Auch eine vierte Welt lernen wir mit ihnen kennen. Die der Beratungsstellen und medizinischen Einrichtungen mit ihren Bedingungen und Möglichkeiten für Menschen, die sich im falschen Körper befinden. Es erstaunt, wie die Schwestern die Kamera zu vergessen scheinen, fokussiert sind auf ihr immer wieder formuliertes Ziel, „ganz normale“ Frauen zu werden; wie sie ihr doppeltes Außenseiterinnentum als zweifach Grenzüberschreitende mit Selbstbewusstsein und oft bewundernswertem Humor, der durchaus Depressionen überspielt, meistern. Und wie die anfangs verschlossenen Eltern sich langsam öffnen. Wir erleben, wie auch sie sich wandeln, ihre beiden Töchter akzeptieren, ohne ihre Sorgen zu verbergen, denn ihr größter Wunsch ist es, dass ihre Kinder glücklich werden. Dem Film gelingt es, u.a. durch kluge Montage, die vielschichtige Erzählung zu verdichten und vom multiperspektivischen Prinzip einer offenen, d.h. lernenden Gesellschaft, wie es sich in der muslimischen Familie der Protagonst*innen fast exemplarisch erfüllt, spielerisch und ohne Kommentar zu erzählen. (Livia Theuer)… >>>

  • Dauer: 89 Min.
  • Regie: Robin Humboldt