Anmaßung


(Filmladen Kassel)

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Anmaßung

Wie begegnet man einem Mörder? Die Filmemacher Chris Wright und Stefan Kolbe sehen Stefan S. das erste Mal, als sie den Chef-Psychologen eines Brandenburgischen Gefängnisses zu einer Therapiegruppe im Vollzug begleiten. Bald verlagert sich ihr Fokus auf den stillen und höflichen Insassen, über den sie erstaunt erfahren: Er hat eine ehemalige Kollegin monatelang verfolgt und schließlich ermordet und sitzt dafür seit 15 Jahren im Gefängnis. Er stimmt zu, sich filmen zu lassen, unter einer Bedingung: Sein Gesicht darf nicht gezeigt werden. Das bringt die Filmemacher zur Frage: „Was sehen wir, wenn wir nichts sehen können? Wie stellen wir uns einen Menschen vor, der einen Mord begangen hat?“ Die Filmemacher versuchen sich auf verschiedenen Ebenen der Person und seiner Tat zu nähern: durch Verlesung von Gerichtsakten; Besuch des Tatorts, Gesprächen mit ihm und seinem Psychologen. Und sie bauen eine Handpuppe, die die Gesichtszüge des Protagonisten trägt und mit der zwei Puppenspielerinnen die Interviews mit Stefan S. nachspielen. ANMAßUNG gleicht einem Versuchsaufbau: die Puppenspielerinnen und die Filmemacher reflektieren im Film wiederholt ihr Unbehagen in der Auseinandersetzung mit dem Protagonisten und stellen gleichzeitig ihre Vorurteile und Ängste auf den Prüfstand. Und so ist der Film zwar der Versuch, sich einem Mörder menschlich zu nähern, aber es ist vor allem ein Film über das Dokumentarfilmemachen: „Für uns erzählt Dokumentarfilm über unsere Erfahrung in der Welt. Es geht um die Auseinandersetzung mit der Welt anhand der Lebensgeschichten anderer Menschen. Das ist eine subjektive Erzählung. Doch viele glauben, dass Dokumentarfilm etwas mit Objektivität zu tun hat. Deshalb wollten wir in den Vordergrund stellen, dass es hier um unsere Wahrnehmung geht.“ fasst Chris Wright den Ansatz des Filmemacher-Duos Kolbe/Wright in einem Interview in der taz anlässlich der Premiere von ANMAßUNG im Juni des Jahres zusammen – Ein spannendes Experiment! (Carolin Ernst)… >>>

  • Dauer: 111 Min.
  • Regie: Chris Wright