Limiar


(Filmladen Kassel)

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Limiar

Über einen Zeitraum von vier Jahren begleitet die Filmemacherin ihren Sohn auf seinem Weg der Identitätsfindung bis hin zu der Entscheidung für eine Hormontherapie zur Geschlechtsangleichung. Diese benötigt eine schriftliche Einverständniserklärung der Mutter, die sich ihrem Kind in Interviews von 2016 bis 2019 einfühlsam zuwendet, indem sie Fragen stellt, die einen intimen Einblick in das Thema Transsexualität geben. Zwischendurch sieht man die Filmemacherin in einer Wasserspiegelung, auf einem Foto ihrer Hochzeit oder im Spiegelbild eines Wandschranks. Die Abbildung bleibt jedes Mal verzerrt und zeigt den Versuch einer Annäherung, die auch im individuellen Umgang von Mutter und Sohn mit sexueller und geschlechtlicher Orientierung beleuchtet wird. Spürbar ist die Zerrissenheit der Mutter, die sich verantwortlich fühlt und gleichzeitig vertrauen und verstehen will. Dagegen steht eine Direktheit und Klarheit, die sich bemerkbar macht, als ihr Sohn ein Schaubild anfertigt, das zunächst wie eine naive Kinderzeichnung anmutet, sich aber als präzise Darstellung für Gender und Sex herausstellt, die der Zeichner mit souveräner Ernsthaftigkeit erläutert. LIMIAR ist nur der Anfang einer Geschichte, die sich immer wieder neu und weitererzählen muss und zeigt, wie wichtig das Vertrauen und die Unterstützung der Eltern wie auch der Gesellschaft für die eigene Identitätsfindung ist. Verspiegelt bewegt sich der Film zwischen Unschärfen und repräsentiert eine junge Generation, die mit Scharfsinn neue Realitäten selbstbestimmt aushandelt und selbst unter der restriktiven Regierung von Bolsonaro nicht aufzuhalten ist. (Annika Nesheim)… >>>

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  • Dauer: 77 Min.
  • Regie: Coraci Ruiz