Molecole


(Gloria Kino)

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Molecole

Der Filmemacher Andrea Segre hatte immer ein schwieriges Verhältnis zur Geburtsstadt seines Vaters: Venedig. Anfang 2020 macht er sich dorthin auf, um einen Film über die zwei großen Bedrohungen der Stadt zu drehen: Hochwasser und Tourismus. Während der Dreharbeiten rollt die erste Welle der Corona-Pandemie über Italien, und die Stadt leert sich zusehends von Tourist*innen. Er aber entschließt sich, über den ersten Lockdown hinweg zu bleiben und diesen Ausnahmezustand zu dokumentieren. Dabei entdeckt er Venedig neu – eine von Tourist*innen entleerte, ruhige Stadt von majestätischer Schönheit, die urplötzlich von allem Kitsch befreit, den Einheimischen und auch ihm zurückgegeben scheint. Der erzwungene Stillstand und die Bedrohung der Pandemie bringen ihn zu einer Reflexion über die Beziehung zu seinem Vater, der in Padua als Teilchenphysiker forschte. In MOLECOLE sinniert Segre in einer ruhig gesprochenen Off-Erzählung über dessen Arbeit über Moleküle, die „kleinen, unsichtbaren, natürlichen Elemente, die die Evolution der Welt beeinflussen“, und die Moleküle des Virus, die das Leben auf der Welt zum Erliegen gebracht haben, und zieht Parallelen zu der anderen großen Pandemie, die einst Venedig besonders traf – die Pest. Deren größtes Mahnmal: die Basilica Santa Maria Salute, die im Gedenken an die Epidemie gebaut wurde, die 1630 über 15.000 Venezianer*innen den Tod brachte. Im Nachlass des Vaters hatte Segre Super-8-Material von Vater und Onkel aus ihrer Jugend in Venedig gefunden. Im Film verwebt er es mit Aufnahmen aus der fast geisterhaft leeren Stadt im Lockdown, die deren dramatische Schönheit, aber auch den zunehmenden Zerfall der „Serenissima“ zeigen. Denn in ihrem menschenleeren Zustand und bei rekordhaftem Niedrigwasser wird bei Gondelfahrten durch ihre engen Kanäle ihr Verfall besonders deutlich. MOLECOLE ist ein elegischer Filmessay, der Venedig als eine Allegorie für die Fragilität der menschlichen Existenz erzählt. (Carolin Ernst)… >>>

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  • Dauer: 68 Min.
  • Regie: Andrea Segre