365 Tage Dokumentarfilm

365 Tage Dokumentarfilm – Das Kasseler Dokfest das ganze Jahr präsent

Das Kasseler Dokfest möchte die dokumentarische Form wieder verstärkt ins Kino bringen, nicht nur während der 6 Tage des Festivals sondern 365 Tage im Jahr. Wir möchten besondere Highlights des Festivals präsentieren, die durch ihre inhaltliche Brisanz oder künstlerische Fertigkeiten hervorstechen und auch zeitnah auf geführte Diskurse reagieren und diese filmisch kommentieren.

Mit kuratierten Programmreihen, Film-Events mit Gästen und Filmgesprächen sowie einer Ansprache von Zielgruppen ist es möglich, Zuschauerinnen und Zuschauer für den Dokumentarfilm im Kino zu gewinnen. Eine besondere Herausforderung ist, verständlich zu machen, dass es ein Unterschied ist, ob man einen Dokumentarfilm auf der Leinwand, im Fernsehen, auf dem PC oder Smartphone sieht.

Jedes Screening soll über eine ‚reguläre‘ Kinovorstellung hinausgehen, da wir nach Möglichkeit die Filmemacher/innen zur Diskussion ihrer Arbeit nach Kassel einladen möchten. Auch sollen Expert/innen verschiedener Bereiche eingeladen werden.

Die Ausgestaltung ist damit genauso facettenreich gestaltet wie das Kasseler Dokfest mit all seinen verschiedenen Sektionen selbst.

Die Reihe 365 Tage Dokumentarfilm – Das Kasseler Dokfest das ganze Jahr präsent wird von der HessenFilm und Medien GmbH gefördert.


Veranstaltung im Juni: Yves Versprechen

Yves stammt aus Kamerun. In der Hoffnung auf ein besseres Leben hat er vor 8 Jahren sein Heimatland Richtung Europa verlassen. Er sitzt in Spanien fest, ohne Chance auf Asyl. Warum gibt er nicht auf und geht zurück? Welche Folgen hat Yves’ Flucht für seine Familie, wie gehen sie mit der Situation um, welche Erwartungen haben sie an ihn? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen reist die Ethnologin und Filmemacherin Melanie Gärtner zu seiner Familie und seinen Freunden nach Kamerun. Wir bekommen eine Ahnung, weshalb Yves fort ist und weshalb er nicht wieder zurück kann. Der Film gibt zudem einen kleinen Einblick in das Leben in Kamerun und eröffnet den Blick auf eine kaum beachtete Perspektive, der ihn von vielen anderen Dokumentationen zum Thema Migration unterscheidet.

Yves Versprechen / Deutschland 2017 / Regie: Melanie Gärtner / 79 Minuten

Im Anschluss an die Vorführung: Gespräch mit Regisseurin Melanie Gärtner

Veranstaltung im Mai: Hamburger Gitter

31.000 Polizist/innen, brennende Autos, 20 Regierungen zu Gast – eine Stadt scheint traumatisiert. Auch lange nach dem G20-Gipfel 2017 sucht die Polizei noch mit allen Mitteln nach Verdächtigen, die Politik fordert harte Strafen, die Gerichte leisten Folge und die wenigen kritischen Stimmen verblassen im allgemeinen Ruf nach „Law and Order“.

17 Interviewpartner/innen aus Polizei, Medien, Wissenschaft, Justiz und Aktivismus ziehen in diesem Film Bilanz. Welche Freiheitsrechte konnten in Hamburg dem Druck standhalten? War dieser Ausnahmezustand der Startschuss für eine neue sicherheitspolitische Normalität?

Deutschland 2018 / Regie: Marco Heinig, Steffen Maurer, Luise Burchard, Luca Vogel / 80 Minuten

Veranstaltung im April: Familienleben

Biggi und Alfred sind kein Paar mehr, doch weil die Lebensumstände schwierig sind, leben sie nebeneinander auf einem verfallenen Bauernhof in Sachsen-Anhalt. Biggis Töchter, Denise und Saskia, suchen ihren Weg im Leben. Dabei haben sie es nicht nur mit den Gefühlswechselbädern der Pubertät zu tun, sondern auch mit problematischen Schulkarrieren, geprägt von Mobbing, Angststörungen und Heimaufenthalten. Die Erwachsenen bemühen sich, ihnen Stabilität zu geben, kämpfen aber mit ihren eigenen Dämonen.

Rosa Hannah Ziegler zeigt in diesem familiären Mikrokosmos ein Leben am Rand, ausgegrenzt und machtlos gegenüber Institutionen, und zugleich voller Träume von einer besseren Zukunft.

Deutschland 2018 / Regie: Rosa Hannah Ziegler / 97 Min.

Im Anschluss an die Vorführung: Gespräch mit der Regisseurin Rosa Hannah Ziegler.

Veranstaltung im März: Why are we creative?

Gibt es eine Antwort auf die Frage, warum wir kreativ sind? Regisseur Hermann Vaske hat über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg immer wieder Gespräche mit verschiedenen Künstler/innen geführt und nun daraus einen Dokumentarfilm zusammengestellt. Darin beschäftigt er sich mit der Frage, was kreative Menschen antreibt, woher sie ihre Ideen nehmen und wie sie entscheiden, wie sie diese Ideen ausdrücken. Befragt wurden unter anderem: David Bowie, Ai Weiwei, Björk, Wim Wenders, Philippe Starck, Yoko Ono, David Lynch, Yohji Yamamoto, Angelina Jolie, Nelson Mandela, Nobuyoshi Araki, Quentin Tarantino, Bono, Nick Cave, Neo Rauch, Stephen Hawking, der Dalai Lama, Marina Abramovic und Diane Kruger.


Deutschland 2018 / Regie: Hermann Vaske/ 82 Minuten

Im Anschluss an die Vorführung: Gespräch mit dem Regisseur Hermann Vaske.


Veranstaltung im Februar: Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte

Seit mittlerweile 40 Jahren tourt die Kölschrock-Truppe um Jürgen Zeltinger durch die Republik. Er hat ein exzessives, anarchisches Leben geführt. Von Gefängnis, Alkoholvergiftung bis hin zum neurologischen Notfall hat "de Plaat" alles erlebt und überlebt. Politisch korrekt war er nie. Jürgen Zeltinger gehört zu den ersten Kölsch-Rockern. Schon in den 60ern textet er auf Kölsch "doch dafür war die Zeit noch nicht reif"! Und es sollte auch noch etwas dauern, bis er - noch vor BAP - erst Köln dann tatsächlich für kurze Zeit die ganze Republik im Kölner Dialekt rockte. 1979 kommt dann endlich der Durchbruch. Was folgt ist ein wahrer Zeltinger-Boom: bundesweit. Die Zeltinger Band tritt im Vorprogramm von "Jo Cocker" und "Motörhead" auf. Doch Zeltinger polarisiert: Viele rümpfen die Nasen über den schmerbäuchigen Sozialfall, der zu lauten Punkrock auf Kölsch über Dinge singt, die in Hochdeutsch zu obszön wären. Andere schätzen seine Authentizität und Selbstironie, wenn er zum Beispiel in viel zu hoher Tonart den "Tuntensong" singt, zu dem er live strippt und seine getigerte Unterwäsche zur Schau stellt. Er genießt seine Popularität und den Erfolg, den er gerne mit viel Alkohol feiert. Die Band gibt um die 200 Gigs pro Jahr. Heute lässt es Jürgen "de Plaat" Zeltinger etwas ruhiger angehen. Mittlerweile fährt der 69-Jährige mit seinem E-Scooter ins Café, um Freunde zu treffen. Das Lernen neuer Liedtexte fällt ihm schwerer, doch die Kraft seiner Songs zündet wie eh und je. Erst recht seit ihn neuerdings auch ein junger Gitarrist und Sohn-Ersatz begleitet. ASI MIT NIWOH ist eine längst fällige, filmische Hommage an ein Kölner Original, das sich über die Jahre treu geblieben ist und nun lustvoll in den Herbst seines Lebens rockt.

Deutschland 2018 / Regie: Oliver Schwabe / 91 Minuten

Im Anschluss an die Vorführung: Oliver Schwabe im Gespräch mit Livia Theuer.


Veranstaltung im Januar: Diese süße Wiese

Jasmin Preiß portraitiert Karim Aouaj El Kasmi. Sie begleitet den Freund und Künstlerkollegen auf seiner exzessiven Suche nach einem selbstbestimmten Dasein, folgt ihm bedingungslos an die Ränder seiner prekären Lebensbedingungen, übernimmt seinen treibenden Rhythmus und registriert die Diskrepanzen zwischen der Realität und seinen Vorstellungen ohne Urteil. Mit einer präzisen Handkamera fängt sie einen Menschen und seine Lebensenergie ein und setzt ihm ein authentisches Denkmal.

Der Film wurde während des 35. Kasseler Dokfestes mit dem Goldenen Schlüssel in der Kategorie „Bester dokumentarischer Langfilm“ ausgezeichnet.

Deutschland, Marokko 2018 / Regie: Jasmin Preiß / 71 Minuten

Im Anschluss: Jasmin Preiß im Gespräch mit Jan Peters und Gerhard Wissner


Veranstaltung im Dezember: draußen

Der Film wurde auf dem 35. Kasseler Dokfestes mit einer lobenden Erwähnung im Wettbewerb um den Goldenen Schlüssel ausgezeichnet.

„draußen“ porträtiert vier Obdachlose in Köln, Menschen, die am Rande der Überflussgesellschaft stehen. Er verharrt aber nicht in der Darstellung tatsächlichen oder auch vermeintlichen Elends, sondern lässt sie ihre besonderen Geschichten erzählen und zeigt die selbstbestimmten und kreativen Seiten ihres Lebens. In fantastisch gestalteten Tableaux vivants entfaltet der Film den kargen Besitz seiner Protagonisten, den sie nutzen, um sich auch draußen ein Zuhause zu schaffen.

Deutschland 2018 / Regie: Tama Tobias-Macht, Johanna Sunder-Plassmann / 80 Min.

Veranstaltung im Oktober: Das Sandmädchen

Veronika Raila lebt seit ihrer Kindheit mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen und Asperger-Syndrom. Sie kann weder sprechen, noch kann sie laufen oder sich selbst versorgen. Im Kindesalter wurde ihr ein Intelligenzquotient von Null attestiert. Dennoch studiert sie heute, schreibt Gedichte und Geschichten und kann sich mittels gestützter Kommunikation mitteilen.

Das dokumentarische Essay nimmt uns mit auf eine filmische Reise hinein in die verborgene und faszinierende Welt der jungen Autorin. In filmischen Skizzen entfaltet sich eine berührende Annäherung und Begegnung, in der nicht Krankheit und Beeinträchtigung im Vordergrund stehen, sondern die Suche nach der Kraft und Energie des Lebens.

Deutschland 2017 / Regie: Mark Michel / 85 Minuten

Regisseur Mark Michel ist zu Gast.

Sonntag, 28.10.2018, 12:00 Uhr im kleinen BALi

Veranstaltung im September: Der Gipfel - Performing G20

Im Juli 2017 taucht Rasmus Gerlach mit Kameraleuten tief in die Proteste rund um den G20-Gipfel ein. Auf den Straßen finden Performances als neue Demonstrationsform viel Anklang, doch die bunten Szenen werden bald von den Bildern der Gewalteskalation überschattet. Das Filmprojekt konzentriert sich auf die Aktionskunst, darunter die wohl bekannteste Performance „Die Frau auf dem Panzer“, deren friedlicher Protest gewaltsam beendet wird.

Es kommen aber auch Anwohner, Fotografen, ein Journalist sowie ein Polizist zu Wort. Und Performance- und Musik-Ikone Laurie Anderson: Sie spricht darüber, wie der G20 von außen wahrgenommen wurde und was Möglichkeiten kreativer Protestkunst sind.

Deutschland 2018 / Regie: Rasmus Gerlach / 74 Min.

Mittwoch, 19.09. um 18:30 Uhr, Filmladen

Regisseur Rasmus Gerlach ist zu Gast.

Veranstaltungen im August: Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst

Der Deutsche Herbst als Familiengeschichte, Filmgeschichte und Gesellschaftsporträt.

In „Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst“ kombiniert Felix Moeller einzigartige zeitgenössische Dokumente und intensive Gespräche mit Zeitzeugen und versucht die Fragen zu beantworten, wie es zu so einer polarisierenden und aggressiven Stimmung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre kommen konnte, wie eine radikale kleine Gruppe wie die RAF (Rote Armee Fraktion) so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte – und wieso die sogenannten Sympathisanten zwischen die Fronten von RAF und Staat gerieten.
Mit zahlreichen Filmausschnitten und Archivmaterial sowie Margarethe von Trottas Tagebüchern, entfaltet sich eine bewegende Geschichte zwischen Privatheit und Politik. Dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm beleuchtet ein kaum bekanntes Kapitel deutscher Geschichte, als aus einem Kampf für eine gerechtere Gesellschaft Sympathien für eine militante Bewegung entstanden, die vor Mord nicht zurückschreckte und ihre einstigen Ideale und Utopien verriet.

Deutschland 2017 / Regie: Felix Moeller / 110 Min.

Mittwoch, 22.08. um 18:30 Uhr, Filmladen

Regisseur Felix Moeller ist zu Gast. Moderation: Klaus Stern


Veranstaltungen im Juli: Wildes Herz

Dokumentation über Jan „Monchi“ Gorkow, den Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Band engagiert sich öffentlich gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie, aber auch gegen Abwanderung, Perspektivlosigkeit und Wendeverliererfrust - Themen, die sich allesamt in der Musik der Band wiederfinden. Gleichzeitig hatte Feine Sahne Fischfilet wegen des Vorwurfs einer anti-staatlichen Haltung auch immer wieder Probleme mit Verfassungsschutz und Polizei und gilt als „Vorpommerns gefährlichste Band“. Regie führt der Schauspieler Charly Hübner, der selbst in Mecklenburg geboren wurde und mit „Wildes Herz“ sein Debüt als Regisseur gibt. Hübner zeigt Monchi und die anderen Bandmitglieder Olaf, Christoph, Kai, Köbi und Max als Punks und Lokalpatrioten, aber auch bei großen Festivals oder auf Wahlkampftour.

Deutschland 2017 / Regie: Charly Hübner, Sebastian Schultz / 94 Min. 

Montag, 09.07. um 22.15 Uhr, Open Air Kino: Im Hof vom Dock 4, Untere Karlsstraße 4, 34117 Kassel


Anne Clark - I ll Walk Out Into Tomorrow

Anne Clark, die englische Poetin und Spoken Word-Künstlerin, wird seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne gefeiert. Sie hat gleich zu Beginn ihrer Karriere Anfang der 80er Jahre mit den New Wave Hits „Our Darkness“ und „Sleeper in Metropolis“ einen Kultstatus erreicht. Vom Punk geprägt, hat Anne Clark als eine Pionierin der elektronischen Musik eine ganze Generation von Musiker/innen geprägt und gilt als eine Wegbereiterin des Techno. Der hessische Regisseur Claus Withopf hat die Künstlerin beinahe 10 Jahre mit der Kamera begleitet und gibt einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und Schaffen.

Deutschland 2017 / Regie: Claus Withopf / 84 Min.

Dienstag, 03.07. um 22.15 Uhr, Open Air Kino: Im Hof vom Dock 4, Untere Karlsstraße 4, 34117 Kassel